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 |  Sören Nolte  |  Aus dem Magazin

Huhtamaki Foodservice Germany

„Die Zukunft des Kunststoffbechers aus rPS für den Automatenmarkt ist langfristig gesichert“, erläuterte Stefan Hillesheim (r.), Keyaccount-Manager Quick-Service-Restaurant & Beverages bei Huhtamaki, im Gespräch mit VendingSpiegel-­Chefredakteur Sören Nolte. Foto: Huhtamaki

„Wir werden auch weiterhin Kunststoffbecher anbieten“

Der Becherproduzent Huhtamaki stellt sich mit Einwegbechern aus Kunststoff und Papier für die Zukunft auf. Mit Stefan Hillesheim konnte der Hersteller im vergangenen Jahr einen erfahrenen Branchenprofi gewinnen, der die Präsenz im deutschen Vending-Markt mit neuen Produkten wieder deutlich ausbauen will.

VendingSpiegel: Herr Hillesheim, nach einigen Jahren in anderen Bereichen sind Sie seit 2025 wieder zurück in der Verpackungsbranche sowie bei Ihrem alten Arbeitgeber Huhtamaki. Wie fühlt sich die Rückkehr für Sie persönlich an?
Hillesheim: Sehr gut: Ich bin hier in der Region um den Standort Alf an der Mosel aufgewachsen, durfte 2003 als Werksstudent bei Huhtamaki anfangen und später dort meine Diplomarbeit über Automatenbecher und den deutschen Vendingmarkt schreiben, bevor ich später dann für lange Jahre in dem Segment gearbeitet und dieses sogar geleitet habe. Mit der Rückkehr im letzten Jahr hat sich für mich ein Kreis geschlossen. Ich freue mich darauf, das Thema Vending bei Huhtamaki mit der Erfahrung, die ich in der Zwischenzeit bei verschiedenen Firmen in unterschiedlichen internationalen Branchen sammeln konnte, weiterzuentwickeln.

VendingSpiegel: Bis in das vergangene Jahr war es um die Präsenz von Huhtamaki Foodservice im deutschen Vending-Markt, etwa auf Branchen-Events, ruhig geworden. Stimmt dieser Eindruck?
Hillesheim: Während und nach der Corona-Pandemie sind bestimmte Produktgruppen und Vertriebswege sehr stark gewachsen, dazu zählten zum Beispiel der Food-to-go-Bereich und insbesondere auch Quick-­Service-Restaurants. In dieser Phase wurden bei Huhtamaki dort verstärkt Ressourcen eingesetzt. Hinzu kamen Umstrukturierungen und personelle Wechsel innerhalb des Unternehmens. Dadurch mag ein solcher Eindruck entstanden sein, der allerdings täuscht. Denn wir hatten und haben immer noch ein umfangreiches Produktportfolio für das Vending-Geschäft und verstehen uns als enger Partner der Operator. Darüber hinaus waren wir in dieser Zeit nicht untätig, sondern haben im Hintergrund intensiv an neuen Lösungen gearbeitet.

VendingSpiegel: Wofür wurde die Zeit konkret genutzt? Und wie wichtig ist derzeit der deutsche Vending-Markt für das Unternehmen?
Hillesheim: Die Zeit wurde in den vergangenen Jahren auf sehr vielschichtige Weise genutzt und der Standort Alf einem beeindruckenden Transformationsprozess unterzogen: Von einem reinen Kunststoffwerk hin zu einem Werk mit einer zusätzlichen Produktion von ­nachhaltigen, vollständig recycle- und kompostierbaren Papier-Faser-Produkten, wodurch die früheren Produkte substituiert werden. Aus der Erfahrung und Kompetenz von Huhtamaki als Konzern in der Fertigung von Lebensmittelverpackungen aus Papier wurden neue Verfahren entwickelt, um Verpackungen aus Faserstoff für die Lebensmittelindustrie herzustellen.

Neben der Entwicklung und der Investition in eine zukunftsweisende Technik wurde auch ein neues State-of-the-Art-Produktionsgebäude errichtet. Dieses wurde 2024 eröffnet und damit der Grundstein dafür gelegt, die Produktionskapazitäten nahezu zu verdoppeln. Somit sind wir in Alf sowohl für den Bereich Molded Fiber als auch Kunststoff aus PS, PET und PLA sowie aus den recycelten Materialien rPS und rPET – auch hitzebeständig – für die Zukunft bestens aufgestellt. Der deutsche Vending-Markt war und ist für uns zudem sehr wichtig und mit meiner Rückkehr werden wir auch wieder mehr Präsenz im Vending-Geschäft zeigen.

VendingSpiegel: Haben denn Vending-­Kunststoffbecher eine Zukunft – auch mit Blick auf die EU-Verpackungsverordnung (PPWR)?
Hillesheim: Meines Erachtens nach ja, da der Becher aus einem Monomaterial gefertigt und somit grundsätzlich recyclingfähig und für eine Kreislaufwirtschaft geeignet ist. Zudem werden Kunststoffbecher aufgrund der Robustheit und des einfachen Handlings seitens der Operator weiterhin gern eingesetzt. Im Rahmen der PPWR müssen solche Kunststoffprodukte künftig jedoch gewisse Recyclingquoten erfüllen. Auch da hat Huhtamaki in Zukunft einen Vending-­Becher aus rPS im Angebot, der die geforderten Quoten erfüllt. Somit ist die Zukunft dieses Bechertyps für den Automatenmarkt langfristig gesichert.

VendingSpiegel: Widerspricht ein Kunststoffbecher nicht dem Nachhaltigkeitsanspruch auf Verbraucherseite?
Hillesheim:  Nein. Kunststoff ist ja nichts Schlechtes, wenn man es im Kreislauf denkt. Somit ist auch ein Kunststoffbecher im Rahmen der Kreislaufwirtschaft ein ökologisch sinnvolles und nachhaltiges Produkt. Es wird aber in Zukunft sicherlich mehr Aufklärungsarbeit nötig sein, um Kunden und auch Endverbraucher darüber zu informieren. Denn aus Bechern, die aus rPET und rPS hergestellt wurden  - also aus „Post Consumer Recyclaten“ (PCR)  - können und müssen zukünftig wieder neue Produkte hergestellt werden. Das spiegelt sich auch in den Vorgaben der PPWR wider, die besagt, dass beispielsweise Kunststoffverpackungen aus PET ab dem Jahr 2030 zu 30 Prozent und ab dem Jahr 2040 zu 50 Prozent aus PCR-Material gefertigt sein müssen.

VendingSpiegel: Das Thema Kreislaufwirtschaft betrifft nicht nur Produkte aus Kunststoff, sondern auch aus Papier.
Hillesheim: Richtig. Hier achten wir ebenfalls darauf, dass die Papierfasern in den nachgelagerten Prozessen recycelt und aufbereitet werden können. Denn Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur, dass die Papierbecher aus zertifizierter Forstwirtschaft kommen, sondern dass sie recyclingfähig sind. Das heißt: Das Sammeln und stoffliche Aufbereiten ist sowohl für Kunststoff, als auch Papierbecher wichtig. Wir sind diesbezüglich auch Mitglied der Initiative „4evergreen“. Das ist ein branchenübergreifendes Bündnis, das darauf abzielt, die Kreislauffähigkeit von papierbasierten Verpackungen weiter zu optimieren.

VendingSpiegel: Wie unterstützen Sie die Branche hierbei?
Hillesheim: Nachhaltigkeit ist für Huhtamaki von großer Bedeutung. Wir haben den Anspruch und die Strategie, die erste Wahl für unsere Partner zu sein, wenn es um nachhaltige Verpackungslösungen geht, wobei der Ansatz bei uns auf Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Für Partner, die mit uns zusammenarbeiten möchten, bieten wir daher die entsprechende Beratung und Schulung im wissenschaftlichen und auch rechtlichen Kontext an. Unsere Kunden bekommen somit neben den Produkten ganzheitliche Hilfestellungen für ihr konkretes Tagesgeschäft.

Unterstützt werden Operator darüber hinaus beispielsweise durch die Initiative „It’s your Part“. Wir sind Mitbegründer dieser Initiative – wie etwa auch der europäischen Initiative „The Cup Collective“. Diese wird von uns unterstützt und empfohlen, sofern es für den jeweiligen Operator und Aufstellort interessant ist. Bei diesen Initiativen geht es ebenfalls um Kreislaufwirtschaft, bei der Einweg-Papierbecher nach ihrem Gebrauch gesammelt, rückgeführt und einer stofflichen Wiederverwertung zugeführt werden – mitsamt der begleitenden Kommunikation, Logistik und einem entsprechenden Nachweis.

VendingSpiegel: Inwieweit ist ein Kreislaufverfahren auch bei Bechern aus PLA, also aus Zuckerrohr oder Mais möglich?
Hillesheim: Das End-of-Life-Szenario für Produkte aus PLA ist eine zumeist industrielle Kompostierung, weshalb PLA zumindest in der Kreislaufwirtschaft eine eher untergeordnete Rolle spielt.

VendingSpiegel: Welche Eigenschaften sind derzeit bei Foodservice-­Verpackungen besonders gefragt?
Hillesheim: Im Bereich Foodservice sind Papierverpackungen mit Beschichtungen aus nachwachsenden Rohstoffen oder reduzierten Anteilen oder nach Möglichkeit kunststofffrei der größte Trend, den wir mit verschiedenen Produkten bedienen. In den vergangenen Jahren waren auch Bagasse-Produkte als nachhaltigere Alternative zu Kunststoff sehr gefragt. Hier geht der Trend inzwischen aber eher hin zu Papierlösungen wie Lebensmittelverpackungen aus Folded Carton, wofür wir zum Beispiel mit unseren preisgekrönten Morro-­Coating-Boxen bestens aufgestellt sind. Diese Boxen haben eine natürliche Pflanzen­polymer-Barriere – hergestellt ohne chemische Modifizierung – und bieten einen hervorragenden Fett- und Auslaufschutz.

VendingSpiegel: Und welche Eigenschaften werden speziell bei Automatenbechern benötigt?
Hillesheim: Bei den Automatenbechern stellen wir grundsätzlich eine starke Verschiebung von Kunststoff- zu Papierbechern fest. Gefragt ist aber weiterhin beides: Meine Einschätzung ist, dass sich die Verteilung in Deutschland in etwa die Waage hält. Der Nutzungsgrad im Markt ist aber sehr unterschiedlich: Huhtamaki wird zukünftig daher auch weiterhin Automatenbecher aus Kunststoff anbieten und dies selbstverständlich unter Berücksichtigung der Vorgaben der kommenden PPWR. Neben Ausschankbechern aus rPET sind bald auch Automatenbecher aus rPS verfügbar und rPET eine mögliche Option für die Zukunft. Einen hitzebeständigen Deckel aus rPET werden wir aller Voraussicht nach bereits im zweiten Halbjahr 2026 launchen.

VendingSpiegel: Worauf legen Operator bei Ihren Produkten den größten Wert?
Hillesheim: Die Qualität und Funktionalität stehen bei unseren Bechern an erster Stelle: Der Becher muss störungsfrei laufen. Dank unserer jahrzehntelangen Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von Automatenbechern funktionieren alle unsere Produkte sehr stabil und zuverlässig. Tatsächlich gewinnen Papierbecher auch aufgrund der Möglichkeit, sie vollflächig attraktiv zu bedrucken, immer mehr an Beliebtheit. Hier bieten wir unseren Kunden ein jeweils komplettes Automatenbecherportfolio in ikonischen und qualitativ hochwertigen Standard­designs. Neben Ästhetik, Qualität und Laufsicherheit sind Auswahl und Verfügbarkeit ein weiteres wichtiges Kriterium für unsere Kunden. So haben wir praktisch jeden Becher oder auch Zubehörartikel wie Deckel aus Molded Fiber und Kunststoff – auch automatengängig – oder Automatenrührstäbchen in unserem Hochregallager in Lutzerath auf Lager und somit kurzfristig verfügbar. Dazu gehören auch unsere Papierbecher „Bioware“ und „Woodland“ für das Tabletop-Business und die automatische Ausgabe. Bei letzterem handelt es sich um eine Weiterentwicklung unseres Future Smart-Bechers mit einer Leicht-Beschichtung. Eine Leicht-Beschichtung für unsere Becher mit Beschichtungen auf fossiler Basis ist ebenfalls verfügbar.

VendingSpiegel: Kunststofffreie Einwegbecher für das Vending-­Geschäft gelten derzeit als wichtige Entwicklung im Markt. Wie schätzen Sie den Bedarf ein?
Hillesheim: Viele unserer vor allem großen Kunden haben ein starkes Interesse an einem solchen Produkt, um im eigenen Marketing mit einem kunststofffreien Becher werben zu können. Wie erläutert sind aber auch unsere Kunststoffbecher mit Recyclinganteil sowie unsere Papierbecher mit Beschichtungen aus nachwachsenden Rohstoffen oder Leichtbeschichtungen gerade innerhalb der Kreislaufwirtschaft ökologisch sinnvolle und zukunftssichere Produkte.

VendingSpiegel: Befassen Sie sich aktuell konkret mit kunststofffreien Automatenbechern?
Hillesheim: Die Frage dürfen wir leider zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren und bitten um Verständnis.

VendingSpiegel: Beschäftigt sich Huhtamaki mit Mehrweglösungen?
Hillesheim: Wir beobachten das Thema, haben innerhalb der Huhtamaki-Gruppe aber zum aktuellen Zeitpunkt keine Mehrwegprodukte im Portfolio.

VendingSpiegel: Auf welche Neuigkeiten oder Events von Huhtamaki darf sich der deutsche Vending-Markt 2026 freuen?
Hillesheim: Wir werden in diesem Jahr wieder spürbar stärker im Vending-Markt präsent sein. Angefangen mit dem neuen Format der „Vending-Days“, die Ende März in Alf stattfinden, sowie Teilnahmen an diversen anderen Branchenveranstaltungen. Zu den Produkt-Highlights im Bereich Kunststoff gehören unsere neuen „Re-Love“ rPS-Automatenbecher sowie unsere neuen hitzebeständigen rPET-Becherdeckel, die in Alf produziert werden. Aufgrund unserer Verbundenheit mit der Automatenbranche werden wir auch 2026 ein zuverlässiger Partner und One-Stop-Shop für innovative, qualitativ hochwertige und konforme Verpackungslösungen sein.


Über Huhtamaki Foodservice Germany
Huhtamaki ist ein global tätiger Hersteller von Einwegverpackungen. Zu den größten Kunden gehört unter anderem die Fastfood-Kette McDonald’s. Ein Schwerpunkt ist die Produktion von Automatenbechern, die in Deutschland dem Geschäftsbereich Foodservice zugeordnet ist und teilweise am Standort Alf an der Mosel erfolgt. Der Produktionsstandort besteht in diesem Jahr bereits seit 200 Jahren. In dem ursprünglich auf Kunststoffprodukte spezialisierten Werk werden inzwischen auch kunststofffreie Deckel für Heißgetränkebecher hergestellt. Im Jahr 2024 wurde in Alf das neue Werk 3 eröffnet, was die dortige Produktionskapazität fast verdoppelt. Pro Jahr werden rund 2,2 Milliarden Produkte in Alf gefertigt. Ein modernes, automatisiertes Hochregallager mit 36.000 Palettenstellplätzen im nahe gelegenen Lutzerath stellt die Warenverfügbarkeit sicher.

In diesem Jahr feiert der Produktionsstandort in Alf an der Mosel 200-jähriges Bestehen. Neu ist das 2024 eröffnete Werk 3 (rechter Bildrand). Foto: Huhtamaki